Die Römer sind zurück auf der Mosel – Universität lädt zur Taufe eines römischen Transportschiffes

2 Okt
Die Prahm im Wasser - Foto: Pressestelle Uni Trier

Die Prahm im Wasser – Foto: Pressestelle Uni Trier

 

Hin und wieder kann man auf der Mosel und auf anderen Flüssen in Deutschland wieder römische Schiffe sehen. Als prominentestes Beispiel dürfte den Trierern der Nachbau des Neumagener Weinschiffs bekannt sein, dieser ist im Gegensatz zu dem Original jedoch leicht modifiziert und verfügt unter Anderem über einen Motor.

Prof. Dr. Christoph Schäfer vom Fachbereich der Alten Geschichte an der Universität Trier nimmt es da genauer. Um die römische Verteidigungsstrategie besser erforschen zu können, hat er bereits ein römisches Kriegsschiff detailgetreu nachbauen lassen. Sein neuestes Projekt, ein 10 Meter langes und 1,70 Meter breites Transportschiff, eine sogenannte Prahm, wurde von Lehrern und Schülern der Berufsbildenden Schule Wittlich angefertigt und wird am Montag, den 5. Oktober um 14 Uhr im Yachthafen Monaise an die Universität übergeben. Neben Prof. Dr. Schäfer werden auch Alfons Schmitz, Direktor der BBS Wittlich und Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, anwesend sein.

Für die nächsten Jahre plant die Universität in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Trier die weitere Erforschung dieses außergewöhnlichen Lastschiffs der Römer. Einen ersten erfolgversprechenden Pilotversuch haben das Fach Alte Geschichte der Universität Trier und das Fach Maschinenbau der Hochschule mit Unterstützung des Wasser- und Schifffahrtsamts Trier im Oberwasser der Schleuse bereits durchgeführt. Das Projekt soll künftig im Rahmen der Wissenschaftsallianz Trier weiter entwickelt werden.

Vorbild für den Prahm ist ein hervorragend erhaltener Fund aus Bevaix  am Lac de Neuchâtel. Dieser denkbar einfach konstruierte und ausschließlich auf Funktionstüchtigkeit ausgelegte Schiffstyp hat sich formal bis in die heutige Zeit erhalten und bildete lange Zeit das logistische Rückgrat des weltweit existierenden Binnenfrachtverkehrs.

Trotz der Fülle an archäologischen Überresten existieren nur wenige Abbildungen von Prahmen, deren Be- und Entladung oder deren Einsatz. Gleiches gilt für schriftliche Zeugnisse antiken Schwerlastverkehrs, obwohl es zahlreiche Beispiele für extreme Transportsituationen gibt, deren logistische und technologische Umsetzung ein tiefgreifendes Fachwissen erfordert haben muss – man denke nur an den Transport des Trierer „Domsteins“, einer Basaltsäule von rund 30 Tonnen Gewicht, die ursprünglich aus dem Odenwald stammt. Dabei sind antike hydrologische Maßnahmen wie Kanalbauten, Stauwehre und Schleusen noch nicht einmal berücksichtigt.

Die schiere Existenz diverser Baustrukturen aus römischer Zeit – hier können die Steintransporte für die Römerbrücke, immerhin rund 18.000 Tonnen, als anschauliches Beispiel dienen – steht im krassen Gegensatz zu den Erkenntnislücken, denen sich die Geschichtswissenschaft in Ermangelung entsprechender Zeugnisse gegenüber sieht. Zwar kennt man die Dimensionen der größten Schwerlasttransporter aus den imperialen Grenzprovinzen am Rhein, doch die Produktivität der Schiffbauer, die militärischen oder zivilen Auftraggeber, das Ausmaß der beförderten Güter und Personen, die Transportstrecken und
-rhythmen und vor allem die Transportgeschwindigkeiten sind bislang noch weitgehend unerforscht geblieben, obwohl bereits einige Prahmrekonstruktionen in Europa existieren.

Vor diesem Hintergrund eröffnet die fahrtüchtige Rekonstruktion (Maßstab 1:2) des Typs Bevaix/Neuchâtel die Möglichkeit, unter studentischer Mitwirkung und mit bewährten Messinstrumenten eine Versuchsreihe zu realisieren, die erstmalig reproduzierbare und valide Ergebnisse zu durchschnittlichen Reisegeschwindigkeiten unter Belastung liefert.

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