Die lange Suche nach der Richtigen

20 Jan

 

von Andrea Mörschel 

Zu sagen, dass die Wohnungssuche in Trier ein Drama ist, wäre gelogen, denn dann hätte das Ganze immerhin irgendwann ein Ende.

Immerhin ein Dach über dem Kopf: Rechtfertigt die Wohnungsnot jede Bruchbude? Foto: Raphael Zingen

Immerhin ein Dach über dem Kopf: Rechtfertigt die Wohnungsnot jede Bruchbude? Foto: Raphael Zingen

Mit Wohnungen, so heißt es schon im „Sex And The City“- Film, verhält es sich wie mit der Suche nach dem perfekten Partner: Es kann Jahre dauern. Wohlgemerkt bezog sich „Carrie“ mit dieser Überlegung auf eine Eigentumswohnung; ich für meinen Teil dachte immer, dass es sich mit Mietwohnungen dann in etwa so verhalten muss wie mit einem Abenteuer: Man lässt sich aufeinander ein, ohne sich groß zu kennen und wenn man merkt, dass es nicht funktioniert, kann man sich problemlos wieder verdrücken. So viel zur Theorie.

In der Praxis sieht das Ganze leider anders aus: Ich suche bereits seit einem dreiviertel Jahr nach einer neuen Bleibe. Die letzten drei Jahre habe ich in einer WG in unmittelbarer Uninähe verbracht, einen recht angemessenen Preis für mein 16 qm großes Zimmer bezahlt und frage mich deshalb in letzter Zeit oft, ob ich denn verrückt bin diesem sicheren Unterschlupf den Rücken kehren zu wollen.

Die Wohnsituation in Trier könnte man schönend als „angespannt“ bezeichnen.

Wenn man in eins der entlegeneren Stadtteile von Trier ziehen möchte, kann man sich zwar über recht viel Wohnraum für vergleichsweise wenig Geld freuen. Jedoch sollte man nicht das Bedürfnis nach spontanen Überraschungsbesuchen von Freunden verspüren, lange Busfahrten mögen und im Winter darauf hoffen, einen ganz besonders raubeinigen Busfahrer zu erwischen. Wer so wie ich schon ein paar Winter in Trier erlebt hat, weiß zumindest, dass der Busverkehr gern mal zusammenbricht, sobald eine Schneeflocke auf die Straße fällt: Dann macht es wirklich keinen Spaß, 15 km außerhalb des Stadtkerns zu wohnen.

Als ich vor drei Jahren als naiver Studi-Frischling in Trier nach einer Bleibe suchte, kannte ich mich noch nicht aus und die Stadtteile sagten mir bei der Internetrecherche nach einer Wohnung herzlich wenig. Auch wenn mir die Entfernung zur Uni bei Google Maps etwas weit vorkam, ließ ich mich schließlich aufgrund der recht humanen Mietpreise (und zugegebenermaßen auch wegen mangelnder Alternativen) dazu hinreißen, mir unter anderem eine Wohnung in Feyen anzusehen. Tatsächlich: Das Einzimmerappartement war sehr groß, die Miete ein Spottpreis.

Leider gehörte die Wohnung einem jungen Ehepaar samt kleinem Kind. Sohnemanns Spielzeugrutsche und Sandkasten waren direkt vor meinem Fenster aufgebaut. Während ich noch einerseits große Bewunderung für die Vormieterin empfand tatsächlich in so eine Wohnung zu ziehen, sah ich mich schon von Kinderlärm halb taub für Klausuren pauken. Nee danke. Die Tatsache, dass weit und breit kein Bus abfuhr und ich in weiser Voraussicht schon davon ausging, spätestens im Winter an sozialer Isolation einzugehen, gab dann den Ausschlag flugs weiterzusuchen.

Meine erste Wohnung fand ich dann wenig später im „Regenbogenviertel“ in Kürenz. In einer Kolonne von etwa 10 Studienanfängern marschierten wir im Gänsemarsch einer Maklerin hinterher, die uns gerade einmal drei freie Wohnungen präsentieren konnte. Entscheidungsfreudige waren hier klar im Vorteil. Wer am anderen Ende der Wohnung stand, hatte leider Pech gehabt, denn derjenige, der als erstes wieder vorne bei der Maklerin war und Interesse anmeldete, bekam die Wohnung. Mein Vater gewann glücklicherweise den Wettlauf gegen zwei andere Papas und ich konnte in ein 28 qm großes Einzimmerappartement einziehen.

Aber zurück in die Gegenwart: ich bin mittlerweile sehr viel erfahrener, klüger und leider auch verzweifelter geworden.

Vor ein paar Wochen schaute ich mir eine 20 qm große Einzimmerwohnung in Olewig für 380 Euro warm an.

Während die Vermieterin noch stolz die Vorzüge eines in der Nähe plätschernden Bächleins anpries, stand ich skeptisch in dem Schuhkarton. Kurze Frage an meinen inneren Finanzminister: War ich wirklich bereit, so viel Geld für eine Wohnung zu zahlen, in der ich – sollte ich überhaupt das Glück haben meine Möbel alle unterzukriegen- vermutlich nicht mehr in der Lage sein würde mich zu drehen? Nee. War ich nicht. Plätscherndes Bächlein hin oder her.

Also raus da und weiter gesucht.

Tja, Wohnraum in Trier ist knapp. Es werden zwar neue Wohnheime gebaut, jedoch zu horrenden Mietpreisen. Im neugebauten Augustinuspark in Pluwig z.B. kostet ein 28 qm großes Zimmer 405 Euro Warmmiete, das Studentenwohnheim Maison Sartre setzt mit 490 Euro Miete noch eins drauf. Meinetwegen rechtfertigt die exklusive Ausstattung den teuren Preis, doch braucht ein Student überhaupt Fußbodenheizung, echtes Parkett und bodentiefe Fenster?

Ich für meinen Teil würde darauf verzichten, wenn es eine richtige Alternative gäbe. Als preisgünstigen Plan B gibt es immerhin noch die SWT-Wohnheime. Im Wohnheim in Olewig wohnt man für knapp 240 Euro absolut preisgünstig, muss sich jedoch mit einem beschränkten Internetzugang abfinden; außerdem sind die 18 qm großen Zimmer bereits voll möbliert und sind somit für Wohnungssuchende, die schon voll ausgestattet sind, nicht die optimale Lösung.

Für mich zumindest ist die Suche wohl noch lange nicht zu Ende. In meiner Situation hilft es aber, dass ich nicht unter Zeitdruck bin und – im Gegensatz zu vielen, vielen Studienanfängern jedes Semester – auf eine neue Wohnung warten kann. Ich mache mir weiterhin Mut: Gut Ding will Weile haben.

 

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