Einmal 6 Wochen Kaffee kochen, bitte!

4 Dez

von Christina Büsching 

“Praktikumsplätze unter 4 Monaten bieten wir generell nicht an.” – “Bewerbungen nur unter Angabe der Kenntnisstände der o.g. Anforderungen und mit Arbeitsproben”

Solche und ähnliche Anforderungen fand ich auf der Suche nach meinem Praktikum welches ich im Sommer 2014 absolvieren wollte. Für mein Studienfach Medienwissenschaften wird ein Pflichtpraktikum von zweimal 4 Wochen oder einmal 6 Wochen erwartet. Dem Tipp einer Freundin aus einem höheren Semester folgend, beschloss ich mich weit mehr als ein halbes Jahr vorher für ein Praktikum zu bewerben. Im November 2013 begann ich dann mit meiner Suche.

Von 60 gesendeten Bewerbungen bekam ich rund 20-25 Rückmeldungen, wobei ich später erfuhr dass diese Quote recht normal sei. Die Antwortschreiben variierten von „Wir vergeben für den Zeitraum noch keine Praktika. Bitte melden Sie sich in drei Monaten noch einmal bei uns“ über „Wir sind ein zu kleines Unternehmen und können keine Praktikanten beschäftigen“ bis hin zu “ Wir haben schon einen Praktikanten/Auszubildenden und können keinen weiteren beschäftigen“. Natürlich immer mit dem Zusatz “vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Agentur. Wir wünschen Ihnen dennoch viel Erfolg bei der weiteren Suche und ein erfolgreiches Studium.”

Andere Firmen hätten mir eine Zusage gegeben, aber „wir bieten nur Praktika für wenigstens 4-6 Monate an“. Ich verzichtete hierbei auf die Rückfrage, wie das für einen Studenten während der Semesterferien machbar sein sollte. Ein Urlaubssemester hatte ich nicht vor einzulegen, da ich mein Studium nicht unnötig in die Länge ziehen wollte und die Versprechen der Agenturen größtenteils sehr wage waren – auf 4 Monate Kaffee kochen und Akten sortieren hatte ich wenig Lust.

Ich schrieb weitere Bewerbungen und suchte nun in Trier, Köln und Bielefeld. Bewerbungen schickte ich so ziemlich zu allen Unternehmen die etwas mit Medien zu tun haben: Zeitungsverlage, PR-, Werbe-, Medienagenturen, Radio und an den WDR.

Unter anderem schickte ich meine Bewerbungsunterlagen an einen Zeitungsverlag in Bielefeld und erhielt die Mitteilung dass meine Unterlagen geprüft würden.

Außerdem wollte ich mich beim WDR bewerben. Hier waren die Rahmenbedingungen für ein journalistisches Praktikum erfüllbar: wenigstens zwei abgeschlossene Studiensemester: check. Praktikumslänge von vier bis acht Wochen: check. Fünf eigene journalistische Veröffentlichungen in Printmedien, Radio oder Fernsehen sowie deren angeschlossenen Internetredaktionen: naja…

Wenn man nicht gerade neben dem Studium als freier Journalist arbeitet oder ähnliches, ist es fast unmöglich fünf Artikel veröffentlicht zu haben. Ich war kurz davor einfach fünf Essays aus meinem Englischstudium beizufügen. Allerdings fand ich keine Email Adresse für Bewerbungen, nur ein Bewerber online Portal auf welchem man die Unterlagen einzeln hochladen sollte und sämtliche Daten händisch erneut eingeben sollte. Somit ging meine Suche erst einmal weiter.

Ich bekam eine weitere Email von dem Zeitungsverlag aus Bielefeld mit dem Hinweis dass meine Bewerbung in Ordnung sei, man das genaue Datum aber noch mit den Zuständigen klären müsste, die seien aber im Urlaub. Man wolle sich in zwei Wochen bei mir melden.

Ich suchte weiter.

Nachdem ich einen Blick auf die Website einer Agentur in Köln geworfen hatte verging mir dann endgültig das Lachen. Die Rahmenbedingungen für ein Praktikum lagen hier bei 1) einem abgeschlossenen Studium, 2) erste Erfahrungen in den folgenden Bereichen *** 3) Praktikumsdauer von wenigstens 6 Monaten und 4) unentgeltlich. Davon abgesehen dass das Praktikum für mich nicht in Frage kam, war ich entsetzt über die Frechheit der Agentur. Mit einem Bachelorabschluss hatte ich nicht vor noch 6 Monate für lau ein Vollzeitpraktikum zu absolvieren und meinen Eltern weiterhin finanziell auf der Tasche zu liegen.

Eine Freundin, die mein Gejammer über die Praktikumssuche langsam leid war, riet mir ich solle mehr Interesse an den Firmen zeigen, mehr schleimen, das würde helfen. Ich freundete mich langsam mit dem Gedanken an in den Semesterferien gemütlich Urlaub auf Balkonien im Hotel Mama zu machen und somit das Praktikum zu einem späteren Zeitpunkt zu absolvieren.

Es waren nun mehr als fünf Wochen vergangen und ich hatte noch nichts von dem Zeitungsverlag gehört. Entgegen der Anweisungen schrieb ich erneut eine Email.

Einen Tag später dann die Antwort:

“Ich (…) kann Ihnen die freudige Mitteilung machen, dass wir Ihnen im o.g. Zeitraum einen Praktikumsplatz in der Werbung/Atelier anbieten können. In den nächsten Tagen bekommen Sie von mir schriftlich eine Zusage mit allen Anweisungen.”

Meine Odyssee hatte endlich ein Ende.

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