Erfolgreiche Hochstapelei – Enercase ist fertig

17 Sep
Enercase und das Book-Crossing Center Foto: Studiwerk

Enercase und das Book-Crossing Center Foto: Studiwerk

 

„Wie kann der Typ schon abgeben?“ – Diese Frage stellt sich in fast jeder Prüfung. Man selbst hat gerade mal die hälfte der Fragen beantwortet und der Kommilitone ein paar Reihen weiter vorne gibt schon ab. „Wie können die schon fertig sein?“ – Diese Frage stellt sich, wenn man vor Enercase, dem neuen Wohnheim des Studiwerks steht, das in nur einem halben Jahr fertiggestellt wurde.

Die Küche

Die Küche

Das Geheimnis der schnellen Fertigstellung steckt in einer genauen Planung und der Stapelbauweise, mit der Enercase errichtet wurde. Anstatt alle Apartments auf der Hauptbaustelle zusammenzusetzen, wurden sie in einer Feldfabrik in der Nähe ihres endgültigen Standorts vorgefertigt und auf dem eigentlichen Bauplatz nur noch aufeinandergestapelt (wir berichteten). Trotzdem wirkt es ziemlich surreal, wenn man nach einer so kurzen Bauzeit vor zwei vollständigen Gebäuden steht. Hier muss doch irgendwas nicht stimmen. Zeit für eine Probeübernachtung.

Auch nach einem Blick durch die Eingangstür in den Flur wirkt Enercase vollständig. Böden, Türen, Treppen, Lampen – alles vorhanden. Auch das Testapartment ist bereits vollständig ausgestattet. Direkt hinter der Tür zum Gang wartet eine Küchenzeile mit mehreren Schränken, Kühlschrank und Cerankochfeld. Das Eingangslicht schaltet sich automatisch per Bewegungsmelder ein.

Das Bett

Das Bett

Der Bewegungsmelder ist intelligenter Weise nur auf die Eingangstür und nicht auf das Hochbett ausgerichtet, von dem man am anderen Ende des Raums erwartet wird. Unter diesem findet sich ein Stausystem, das dank eines Schiebefachs den Platz unter dem Bett vollständig ausnutzt. So kann man neben kleineren Dingen wie Büchern auch einen großen Koffer problemlos unterbringen. Auf der anderen Seite des Raums finden sich ein großer Schreibtisch, ein abschließbarer Kleiderschrank sowie weitere Ablagemöglichkeiten. Die Möbel für Enercase wurden allesamt von den Caritas-Werkstätten Trier angefertigt. Das Team von Hans-Dieter Hamm stand mit dem Auftrag vom Studiwerk vor einer besonderen Herausforderung. So viele Tische, Schränke und Betten auf einmal hatte noch kein Auftraggeber bei der Werkstatt bestellt, die Behinderte ausbildet und beschäftigt. Trotz der noch nicht gekannten Größe wurde Auftrag wurde von den Caritas-Mitarbeitern mit Bravour gemeistert und die Möbel wirken um einiges solider als die Produkte eines bekannten schwedischen Möbelhauses.

Der Putz-Kit

Der Putz-Kit

Das Studiwerk hat bei der Ausstattung des Wohnheims auch bis an das letzte Detail gedacht. Jeder Enercase-Bewohner kann sich über einen von Johannes Kolz gestalteten Putz-Kit im Trier-Design freuen, auf dem Flur steht für ungeplant-erfreuliche Nächte ein Kondomautomat bereit . Eine zum öffentlich zugänglichen Büchertauschpunkt umfunktionierte englische Telefonzelle befindet sich auf dem Hof des Wohnheims.

Das Bad

Das Bad

Auch das Team der bayrischen Firma LiWood, dem Generalunternehmer des Baus, hat ganze Arbeit geleistet. Sämtliche Lichter funktionieren und die Steckdosen, die neben Schreibtisch und Bett angebracht sind, werden von der Solaranlage von Enercase mit Strom beliefert. Besitzer eines Faxgeräts können sich freuen: Sogar analoge Telefonanschlüsse sind in den Apartments noch vorhanden. Auch das Bad ist großzügig bemessen. Sowohl Dusche als auch Waschbecken liefern zuverlässig heißes und kaltes Wasser, das nach Gebrauch problemlos in das Abwassersystem fließt. Angenehm warm ist es in dem Raum dank einer energieeffizienten Wärmepumpe, die dreifach verglasten Fenster und das Dach halten den abendlichen Platzregen zuverlässig ab. Die Bauherren eines berüchtigten Flughafens können jedoch nicht auf den schnellen Eingreiftrupp von LiWood hoffen. Der nächste Auftrag in München wartet bereits auf das bayrische Team. Die Firma wird wahrscheinlich auch bei dem Bau von Wohnungen für Flüchtlinge helfen.

Schreibtisch und Kleiderschrank

Schreibtisch und Kleiderschrank

Auch nach einer gemütlichen Nacht im Bett steht Enercase noch an Ort und Stelle. Keine Schraube ist locker und alles funktioniert. Das scheinbar Unmögliche wurde wahrgemacht und das Studiwerk hat in kürzester Zeit ein neues Wohnheim gewonnen, das dank seiner energieeffizienten Bauweise ein bundesweites Vorzeigeprojekt ist.

Ob der Frühabgeber bei der Klausur neulich wohl auch so erfolgreich war?

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