Kursklischees

20 Mai

von Laura Schröter

Für beinahe jeden Studiengang existieren entsprechende Klischees. So tragen Juristen ausschließlich Hemden und Blusen in Kombination mit Pullovern mit V-Ausschnitt oder Pullundern. Naturwissenschaftler sind angeblich Nerds mit randloser Brille, leben vollkommen in ihrer eigenen Welt und haben kaum ein Sozialleben. BWL-er seien versnobt und tragen vermeintlich alle Polohemden, vorzugsweise von Ralph Lauren.

Wie sich Vorurteile auf einzelne Studiengänge anwenden lassen, so sind sie auch auf den gemeinen Studenten in seiner Beschäftigung als Kursteilnehmer übertragbar. In jedem Seminar, jeder Vorlesung, jedem Tutorium gibt es sie, man muss nur genau hinsehen.

Der ständig Verspätete: Ob beabsichtigt oder nicht – jeder ist schon einmal zu spät zu einem Kurs erschienen. Doch der chronisch Verspätete ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Kursteilnehmer überhaupt. Meist noch pünktlich zum Ende der Anwesenheitsabfrage schneit er in den Raum, nuschelt mit gesenktem Kopf eine Entschuldigung an sich herunter und sucht sich dann meist den Platz, der am weitesten von der Tür entfernt liegt. Man mag denken, der Verspätete sei besonders busy, aber in den allermeisten Fällen ist er bloß ein besonders verpeilter Mensch, der häufig verschläft oder den Bus verpasst. Oder beides.

Der Alleswisser: Der Alleswisser ist der einzige Kursteilnehmer, der noch bekannter ist als der Verspätete. Er kann grundsätzlich jede Frage beantworten und das meist auch richtig. Oft ist der Alleswisser jemand, der optisch den Klischees eines Jurastudenten entspricht. Die Armbanduhr liegt an der oberen Tischkante. Der Alleswisser ist sehr organisiert und strukturiert in seiner Arbeitsweise.

Der Unbeteiligte: Die Rückenlehne des Stuhls ist die liebste Erfindung des Unbeteiligten. Ohne sie wäre er nämlich schon lange rückwärts vom Sitz gefallen. Seine bevorzugte Sitzposition ist mit dem Hintern auf der Vorderkante des Stuhls, sodass die Füße hinter dem Tisch wieder hervorschauen. Der obere Rücken ruht dabei an der geliebten Rückenlehne, die Arme liegen verschränkt vor der Brust. „Sich melden“ ist für den Unbeteiligten ein Fremdwort, meist kommuniziert er während des Kurses überhaupt nicht und sitzt in der letzten Reihe.

Der Kommunikative: Er geht bloß in die Vorlesung, um seine Freunde zu treffen. Dort wird dann ein Kaffeklatsch über die neuesten Neuigkeiten abgehalten (wahlweise sogar im wahrsten Sinne des Wortes: Kaffee-Klatsch). Ohne Rücksicht auf Verluste oder auf diejenigen, die unter Umständen wirklich der Vorlesung folgen möchten, wird geredet und geredet und geredet und… Meist ist der Kommunikative weiblich.

Die Lebensplanerin: Die Lebensplanerin erscheint nie ohne ihren Kalender im Kurs. Mit Smartphone, Textmarkern und bunten Filzstiften wird dann die kommende Woche geplant. Je nach persönlichem Interesse an der Vorlesung auch der kommende Monat. Nur selten erblickt man im Hörsaal einen männlichen Lebensplaner, denn kennzeichnend sind vor allem die zahlreichen illustrativen Zeichnungen im Kalender. Wenn man die Lebensplanerin nicht sieht, kann man sie am Rascheln der Kalenderblätter erkennen.

 

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