Ni hao an alle aus Chengdu!

20 Jan
Foto: Privat

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Mein Name ist Janina und ich befinde mich gerade im Westen China, bekannt als Herkunftsregion des Pandas und des sehr scharfen Essens. Nachdem ich 2012 mein Auslandssemester in Beijing absolviert habe und eigentlich dachte, dass China und ich keine dicken Freunde geworden sind, bin ich nun zum zweiten Mal hier, um ein Praktikum bei InternChina zu absolvieren. Ich muss zugeben, Beijing war nicht meine erste Wahl für ein Auslandssemester und meine Entscheidung konnte sowieso keiner verstehen. Also wie gesagt wer hätte gedacht, dass ich doch noch mal hier her komme und dann auch noch so schnell innerhalb eines Jahres. Denn der Kulturschock letztes Jahr war doch größer als ich anfangs angenommen und erwartet habe. Es fing schon am Flughafen an, wo alle durcheinander gerannt sind und man mich entweder angegafft oder umgerannt hat und sowieso keiner Englisch konnte. Ich kam zwar nicht alleine in China an aber, meine Mitstudenten haben alles wohl schneller verkraftet als ich. Aber nun ja, da musste ich durch.

Das Leben in China kann man kaum mit Worten beschreiben, es ist teilweise so anders und doch so interessant, dass man Stunden damit verbringen könnte dem Leben zuzusehen.
Das Essen hat immer dort am besten geschmeckt, wo man es am wenigstens erwartet hat: auf kleinen Hockern auf der Straße oder hinten links vor der Abstellkammer. Obst wurde am liebsten von kleinen Ständen gekauft, die in Deutschland besser als Pferdeanhänger bekannt sind. Es wird grundsätzlich jede Gelegenheit genutzt um zu hupen, wobei dies mehr als Vorsichtsmaßnahme als dem Aggressionsabbau dient. Und im Restaurant schreit man „fúwùyuán“ um bedient zu werden und bittet nicht sondern fordert es zackig zu machen, ganz zu schweigen von den Essmanieren, die nicht wirklich vorhanden sind.
Das Nachtleben gestaltet sich jedoch ähnlich zu unserem. Die Clubs sehen genauso aus und sind auch hier recht teuer. Allerdings nicht für uns Europäer. Wir wirken auf das chinesische Volk immer noch exotisch, so dass diese uns gerne an ihre Tische einladen um sich mit uns zu präsentieren. Ein anfänglich komisches Gefühl, wenn sie dich fragen ob du dich mit all deinen Freunden zu ihnen setzen möchtest. Sie bieten dir Getränke und Essen an und versuchen sogar ein wenig Englisch zu sprechen.
So sind sie, die Chinesen.

Leider war mein Aufenthalt in China begrenzt und ziemlich kurz, sodass ich vier Monate nach meinem Auslandssemester und zurück in Deutschland schon nach ein paar Tagen wieder daran gedacht habe, wie ich am schnellsten wieder zurückgehen könnte.
Und da bin ich nun… 14 Monate später… in Chengdu!
Es ging alles recht schnell. Ich fand das Praktikumsangebot bei der AHK und schrieb direkt meine jetzige Chefin an. Die Stelle passte perfekt von der Zeit, Länge sowie von den Aufgaben her zu meinen Vorstellungen. Die Ironie: ich mache ein Praktikum in einer Praktikumsvermittlung. InternChina vermittelt internationale Studenten an internationale Unternehmen in China. Das Unternehmen besteht erst seit 2007 und ist dementsprechend noch in der Reifephase. Das heißt für mich nicht nur Marketingaufgaben zu erledigen, sondern auch die Geschäftsentwicklungen mitzuerleben und mitzugestalten.
Meine hauptsächliche Aufgabe ist die Jobboard Pflege sprich, unsere Job Positionen gestalten und auf Plattformen posten, auf die sich dann die Studenten bewerben können. Dazu suchen wir Praktikanten neue potentielle Partnerunternehmen zu gewinnen um durch diese neuen Netzwerke das Unternehmen zu pushen.
Ich kann euch sagen, Geschäfte in China zu machen, ist eine ganz andere Hausnummer als in Deutschland. Hier werden teilweise Jobbeschreibungen geschrieben wie „Bitte erscheinen sie nicht im Schlafanzug“, für ein Interview wird nicht frischgemahlener Kaffee, sondern heißes Wasser gereicht und bei Vertragsschluss fließt Alkohol nicht mehr in Maßen, sondern in Massen. Aber gerade das macht es doch aus einmal nach China zu gehen, um all das zu erleben.

Mindestens genauso interessant und anders ist es in einer chinesischen Gastfamilie zu leben. InternChina vermittelt nicht nur Praktikumsstellen, sondern auch Unterkünfte, unteranderem auch in einer chinesischen Familie. Da ich letztes Jahr ein wenig chinesisch gelernt habe, wollte ich die Chance nutzen, um meine Sprachkenntnisse ein wenig aufzubessern. Und Meine Familie ist echt toll. Sie versuchen mich so gut wie möglich in ihren Alltag einzubinden und stellen mich sogar jeglichen Freunden aus Stolz vor. Meine Mutter ist sehr besorgt um mich und versucht mir alles recht zu machen. Sie sagt oft, dass sie sich freut mich hier zu haben, denn Dank der Ein-Kind-Politik haben sie so eine zweite Tochter auf Zeit. Diese Regierungsentscheidung führte leider dazu, dass die Familien dermaßen auf ihre Kinder achten und stets besorgt sind, dass ihrem einzigen Kind etwas passieren könne, dass diese kaum noch eigene Erfahrungen sammeln können. Das spüre auch ich hier. Meine Mutter bleibt wach, bis spät in die Nacht bis ich vom Feiern nach Hause komme oder möchte überall gemeinsam mit mir hin, aus Angst ich gehe verloren. Für mich, als selbstständige Person ist das teilweise schwer zu ertragen, aber ich weiß, dass ich ihr damit eine Freude machen kann, wenn sie mich begleiten kann und es ist ja nur auf Zeit.

Ich habe gelernt, dass China mehr ist als das kommunistische Land was wir in Deutschland kennen. Natürlich gibt es berechtigte Vorurteile, aber welches Land hat diese nicht. Und natürlich gibt es Momente in denen ich dachte ich halte es hier nicht mehr aus, weil sie doch ganz anders leben als wir. Aber ich habe es für mich akzeptiert und mit ein wenig Hintergrundwissen kann man vieles mit einem Augenzwinkern hinnehmen und auch drüber lächeln. Solange werde ich die Zeit hier noch genießen, mich über jeden Austausch freuen, der mich der chinesischen Kultur näher bringt und werde so voller Erfahrungen und Einblicke zurück nach Deutschland gehen.

Es war schön mit dir China!
Für mehr Berichte über meine Erfahrungen in China: www.internchina.com/blog

 

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