Rudirockt in Trier!!! – Wat is los?

20 Jan
Hoch die Tassen! Foto: Bianca Herkner

Hoch die Tassen! Foto: Bianca Herkner

von Bianca Herkner 

Der Name „Rudirockt“ hört sich meines Erachtens latent beschissen an und lässt keinesfalls darauf schließen, worum es bei diesem Event präzise geht. Recherchen ergeben, dass „Rudi“ die Abkürzung von „Running“ sein soll, da es sich um ein „Running- Dinner“ handelt, sodass ich mir die Frage „Who the fuck is Rudi?“ und weitere Mutmaßlichungen über ein bevorstehendes Rockkonzert in Trier sparen kann. Darauf gestoßen bin ich, wo auch sonst, auf einer Facebookseite und für diejenigen die „Rudirockt“ noch nicht kennen, dazu gehörte definitiv ich, gibt es online diese kurze Einleitung zu finden:„Je 2 Personen bilden ein Team, und kochen für zwei andere Teams Vor-, Haupt-, oder Nachspeise in den eigenen vier Wänden. Die Speise wird gemeinsam verzehrt und weiter geht’s zum nächsten Gang in eine andere Behausung. Dort trifft man wiederum auf zwei andere Teams – ein kochendes, und ein weiteres Gast-Team. Im Anschluß wird natürlich wieder gefeiert, die perfekte Gelegenheit alle Gäste wieder zu treffen.“Das heißt, insgesamt lernt man an einem Abend beim Essen 12 neue Leute aus der eigenen Stadt kennen. Nice, dacht ich mir, suchte mir eine Partnerin als Versuchskaninchen für dieses Kochexperiment und meldete uns online an. Die Anmeldung war easy und ging problemlos und schnell vonstatten. Allerlei Social-Network-Schnickschnack ist auch geboten wie ein eigenes Profil erstellen mit Bild et cetera. Beeindruckend ist eher das diese Form des gemeinschaftlichen Kochens rund um den Globus Anklang findet. Von Osnabrück über Holland und Texas, überall wird „gerockt“. Wikipedia, die Lieblingsseite aller Dozenten, verriet mir, dass am 25. Oktober 2012 2428 Teilnehmer in Aachen, dem Ursprungsort von Rudirockt, gemeinsam gekocht und gegessen haben. Holla die Waldfee!Wenn das nicht mal eine beachtliche Teilnehmerzahl ist. In Trier machten 84 Personen mit, wobei das für ein verschlafenes Dörfchen wie dieses auch schon eine Menge ist.

Hier ein Einblick in mein persönliches Kochrockevent:

18:30

Es klingelt. Das erste Team bestehend aus zwei Mädels ist ziemlich pünktlich. Meine Kochpartnerin ist gut gelaunt und sieht bezaubernd aus in ihrem schwarzen Kleid. Das macht ein wenig wett, dass ich die Vorspeise alleine zubereiten durfte. Die Stimmung ist gut. Der Smalltalk ist im vollen Gange. Erneutes Klingeln. Das zweite Team. Diesmal gemischt. Der Aperitif (Martinti) findet Zuspruch und wird von mir großzügig eingeschenkt. Angeschwipste Gäste sind mir die Liebsten. Hunger?Ja. Also los. Der Tisch ist gedeckt. Kein Geschirr passt zum anderen. Mit Absicht versteht sich. Nicht etwa, weil meine Wg kein Gleiches besitzen würde für sechs Personen. Die Rote-Linsen-Kokos Suppe mundet. Es wird um das Rezept gebeten. Komplimente über die Wohnung. Schnurr. Die Unterhaltung läuft fließend. Man ist sich sympathisch. Nur wo die After Dinner Party stattfindet ist jedem unklar. Handynummern werden ausgetauscht. Man muss los zum Hauptgang. Jedes Team macht sich auf den Weg zur nächsten Wohnung. Gespannte Neugier. Man weiß nicht, was einen als nächstes erwartet.

20:15

Unsere nächste Wg ist nur einen Katzensprung entfernt. Umme Ecke quasi. Eine 7-er Wg. Interessant. So interessant wie die Küchengestaltung. Moderne Kunst könnte man es wohlwollend nennen. Der Tisch ist schön gedeckt. Man fühlt sich auf Anhieb willkommen. Beide Teams sin sehr nett. Und nein, diesmal ist nett nicht die kleine Schwester von scheiße. Das Essen ist vegan. Ja, richtig gehört, vegan. Und es war das Beste, das ich seit langem gegessen habe. Tofu mit Knuspertopping, Kartoffelmandeltaler, Wirsingmaronengemüse und selbstgemachte Johannesbeermousse. Deliziös. Und wieviel Mühe da drin steckt. Chapeau. Die Gespräche sind amüsant. Und entweder ist es die Mischung aus Martini, Weißwein und Rotwein oder es ist einfach weil man sich wohl fühlt. Man will eigentlich noch gar nicht gehen. Aber man muss. Die Nachspeise wartet. Also werden die Drahtesel gesattelt und es geht los auf weiteres unbekanntes Terrain.

22:30

Wir sind falsch. Aber sowas von. Ein Typ, der ohne Probleme Heisenberg heißen könnte, macht uns  das Tor auf. Die Garageneinfahrt sieht nach einem Kochexperiment ganz anderer Art aus. Schnell weg. Die nächste Wohnung sieht so gar nicht nach Wg aus. Pärchenwohnung. Ein Jahr zusammen schätzungsweise. Bald kaufen sie sich einen Chihuahuawelpen namens Chanel. Und er hat ihre Kochleidenschaft satt, sie sollte eine Passion lieber mal im Schlafzimmer zeigen. Zurück zum Thema. Der Nachtisch, ein Kirschtiramisu. Nicht von schlechten Eltern. Nachahmungswürdig. Irgendwie sind wir uns alle nicht sonderlich sympathisch. Meiner subjektiven Meinung nach zu urteilen. Jedenfalls finden die Antiargumente von uns zum Thema Smartphones keinen Anklang bei den anderen. Liegt vielleicht auch daran, dass jeder von ihnen alle 5 Minuten auf derselbiges schaut. Addicted. Vielleicht hätten wir doch zu Walter gehen sollen. Selbstgebrannter Schnaps lockert die Stimmung etwas auf. Es wird gekichert. Die Afterdinnerparty? Nur Gerüchteweise ist etwas von Styxx im Umlauf. Meine Kochpartnerin und ich radeln mal hin. Ma kieken.

 

Das Résumé des Abends fällt eindeutig positiv aus. Der Unterhaltungsfaktor war hoch und das Essen restaurantverdächtig. Wann hat man außerdem schon die Möglichkeit in fremde Wohnungen Einblick zu erhaschen und lernt so viele verschiedene Menschen an einem Abend kennen? Okay, die Afterdinnerparty hätte besser organisiert gehört. Wiedergesehen nach dem Styxx habe ich keine der Mitstreiter, aber wer weiß, vielleicht im nächsten Jahr. Und auch wenn ich den Namen nicht leiden kann, aber rudirockt!

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