Warum braucht man noch Reisebüros?

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Die Menschen werden bequemer, das Internet beliebter: Gemütlich von zu Hause aus shoppen, egal ob Kleidung, Möbel oder den Sommerurlaub – online ist das schnell erledigt. Dabei wimmelt es nur so von Schnäppchen. Dennoch ist die Zahl der stationären Reisebüros hierzulande von 9.880 im Jahr 2015 auf 9.938 im Jahr 2016 angestiegen, wie die Studie „Der deutsche Reisemarkåt 2016“ des Deutschen Reiseverbands (DRV) zeigt. Verkennt da eine ganze Branche die Zeichen der Zeit? 

Früher war es ganz selbstverständlich, seinen lang ersehnten Urlaub im Reisebüro um die Ecke zu buchen – beim Reiseberater, der einem verschiedene Angebote aus Veranstalter-Katalogen präsentierte. Dann kam das Internet und damit viele neue Möglichkeiten, selbst auf Urlaubssuche zu gehen. Trotzdem erfreut sich die Reisebürobranche seit einigen Jahren wieder steigender Beliebtheit, oder, um es mit Deutschlandfunk Kultur zu sagen: „Das kleine Reisebüro um die Ecke ist […] noch längst nicht ausgestorben. Im Gegenteil – es erlebt ein Comeback.“ Das kann Johannes Nicknig, Absolvent der Universität Trier, Gründer sowie Geschäftsführer von EURESAreisen in Saarburg, bestätigen. Sein Unternehmen hat sich auf den Vertrieb von Kreuzfahrten spezialisiert – zunächst im Internet, mittlerweile aber auch ganz klassisch: „Wir haben vor sechs Jahren als reiner Online-Anbieter angefangen. Nachdem immer mehr Leute von unserer Lage in der Saarburger Innenstadt erfahren haben und auf einmal im Büro standen, haben wir unsere Räumlichkeiten auf den regelmäßigen Kundenbesuch ausgerichtet. Inzwischen haben wir einen Reise-Counter, an dem wir Kreuzfahrt-Interessierte beraten können.“

Woran das Kundeninteresse am stationären Vertrieb liegen könnte? Dazu hat EURESAreisen-Mitgründer Gregor Demmer, der wie Nicknig in Trier Betriebswirtschaftslehre studiert hat, eine Theorie: „Wer im Internet eine Reise sucht, wird von der Vielzahl an Angeboten erschlagen. Hier ist es gut, einen Experten um Rat fragen zu können – gerade bei Urlaubsformen wie Kreuzfahrten, die noch nicht jeder Kunde kennt. Unsere Reiseberater helfen dann weiter und erklären zum Beispiel die Unterschiede zwischen AIDA und TUI Cruises oder verraten, was Rollstuhlfahrer an Bord der Schiffe beachten müssen.“ 

Johannes Nicknig ergänzt: „Wir erleben, dass unsere Reederei-Partner immer öfter kurzfristige Angebotsaktionen veranstalten, immer mehr und immer neue Leistungen einführen. Da ist es für Leute, die nur mal eben ihren Sommerurlaub buchen wollen, ziemlich schwer, den Überblick zu behalten.“ 

Bei EURESAreisen verfolgt ein 24-köpfiges Team tagein tagaus, welche Neuerungen es bei den Kreuzfahrt-Reedereien AIDA, Costa, TUI Cruises und MSC gibt. „So ist gewährleistet, dass Kunden zum aktuellen Bestpreis buchen können und kein Schnäppchen verpassen“, wie Demmer betont. Klar könnten Urlaubssuchende sich auch in Eigenregie informieren und die Preisentwicklungen verfolgen. Das koste aber vor allem eines: „Zeit – und die ist heute ein Luxus, die Leute haben immer weniger davon.“

Aus Sicht der Saarburger Unternehmer muss ein gutes Reisebüro vor allem eines leisten: das Leben der Kunden vereinfachen. Wer das nicht hinbekomme, werde über kurz oder lang keine Chance gegen Google und Co. haben. 

Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Reisebüros wie EURESAreisen das Internet als Kanal für entbehrlich halten, ganz im Gegenteil: Ein zeitgemäßes ‚Reisebüro um die Ecke‘ berate seine Kunden heute nicht nur vor Ort, sondern per Telefon, E-Mail, Facebook, WhatsApp und über jeden anderen Kanal, den die Urlaubssuchenden nutzen. Es gelte, die Vorzüge aus der Online-Welt mit denen aus der Offline-Welt zu kombinieren. 

Auf den Reiseportalen des Saarburger Unternehmens können Seitenbesucher verschiedene Services nutzen, zum Beispiel eine AIDA-Reisesuche inklusive Preisvergleich. Mit deren Hilfe finden die Urlaubssuchenden schnell die Reise, die zu ihren Vorstellungen passt. Während bei reinen Online-Anbietern an dieser Stelle Schluss wäre, erfahren die Besucher des von EURESAreisen initiierten Portals www.rabatt-schiff.de nun, dass sie sich an sieben Tagen in der Woche an einen persönlichen Ansprechpartner wenden können. Der kümmert sich um alle Anliegen und beantwortet beispielsweise Fragen zu Zahlungsmöglichkeiten an Bord, hilft bei der Sitzplatzreservierung für den Hin- und Rückflug oder verrät, wie die Urlauber sich ein Getränkepaket buchen und somit beim Verzehr an Bord sparen können.  

Damit ihre Zahl nicht wieder abnimmt, bleibt zu hoffen, dass viele der vom DRV in 2016 gezählten 9.938 stationären Reisebüros ähnlich arbeiten – sich also im Internet präsentieren und dort werben, aber eben auch vor Ort für die Kunden da sind. Ob per Telefon oder am Counter. 

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